LandStadt Vorarlberg. Mehr Möglichkeitsraum denn Projekt.
Manche Themen lassen sich nicht einfach abschließen. Sie lassen sich nicht »abarbeiten«, nicht in Projekte zerlegen und auch nicht sauber lösen. Sie bleiben. Und sie kommen wieder. In unterschiedlichen Kontexten, mit wechselnden Akteuren, aber erstaunlich ähnlichen Fragen. Die Frage, was Vorarlberg eigentlich für ein Gebilde ist, ist so ein Thema.
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Auffällig ist, dass auch das Ende des LandStadt-Prozesses – ähnlich wie seinerzeit das der »Vision Rheintal« – kaum Resonanz hervorrief. Keine Institution, keine politische Kraft schien die Erkenntnisse und den begonnenen Weg so sehr zu vermissen, dass sie sich für eine Weiterführung stark gemacht hätte. Und wieder stellt sich die Frage: Warum begeistert diese Idee so viele und findet dennoch keinen realpolitischen Niederschlag?
Rückblickend stellt sich auch für uns als damalige Beteiligte eine unbequeme Frage: Haben wir, trotz guter Absichten und fundierter Inhalte, in unseren Rollen und institutionellen Zusammenhängen zu wenig reflektiert mit den Entscheidungsträgern gearbeitet? Hätten wir womöglich früher erkennen müssen, dass wir mit unseren Anliegen nicht durchdringen würden? Wir sind aber auch davon überzeugt: Nicht Strukturen beenden Veränderung, sondern die Frage, ob noch Energie im Raum ist. Dieser Energie wollen wir weiterhin nachspüren und ausloten, ob daraus noch etwas entstehen möchte. Denn es entstand in all den Projekten Substanz, aber wenig Wirkung. In einer ersten Gesprächsrunde gingen wir daher noch einmal der Spur dieses Raumes nach.
Ein Abend in der LandStadt. Danke poolbar!
Was sich an diesem Abend zeigte: Die LandStadt ist nicht tot. Sie ist nicht verschwunden. Aber sie hat kein Gefäß. Falls sie überhaupt eines braucht. Vielleicht ist sie in erster Linie ein gemeinsames Erinnern an Möglichkeiten. Denn das ist die LandStadt auf jeden Fall: Der Versuch, das in Vorarlberg vorhandene Potenzial in einen Gedanken zu fassen. Die Möglichkeit zur Kooperation und Kollaboration auf politischer Ebene. Auch wenn das System noch an alten Strukturen festhält. Die Möglichkeit zur Offenheit und Diversität, wenn die medial vermittelte Welt wieder eindimensionaler wird. Die Möglichkeit des Mutes, wenn man spürt: Da geht noch etwas. Um die Energie, die in dieser Idee steckt, nicht enden zu lassen, nur weil das Projekt nicht mehr läuft, habe ich die Domain landstadt-vorarlberg.at übernommen und die bestehenden Texte als Blog zusammengeführt. Nicht, um ein neues Angebot zu schaffen. Sondern um einen Denkraum zu bewahren. Einen Ort, an dem Gedanken gesammelt werden dürfen, ohne unmittelbaren Verwertungsdruck. Ohne Auftrag. Ohne Erwartung, dass daraus etwas »entstehen muss«.
LandStadt ist kein Kommunikationskanal. Und auch keine Plattform mit Redaktionsplan. Es ist ein Archiv und ein Atelier zugleich. Ein Ort für Beobachtungen zur Zukunft von Regionen zwischen rural und urban. Für Texte über Maßstäblichkeit, Dichte, Mobilität, Identität, Atmosphäre. Ich werde LandStadt unregelmäßig weiterführen. Wenn ein Gedanke irgendwie dorthin gehört. Und gemeinsam mit Urs Treuthardt und Gerhard Stübe werde ich ab und an die Weiterführung des Gesprächs in eigenen Formaten organisieren.
Denn vielleicht braucht es keine neuen Strukturen und keine perfekten Pläne. Vielleicht genügt eine gemeinsame Vorstellung davon, was dieser Raum sein könnte. Jenseits von Verwaltungsgrenzen und Zuständigkeiten. Die LandStadt war nie nur ein Projekt. Sie war ein Denkversuch. Und vielleicht ist sie das noch immer: Die Ahnung eines anderen Miteinanders und der Impuls, im eigenen Wirkungsbereich neu hinzuschauen.
Hier geht’s zur Website: www.landstadt-vorarlberg.at